Warum Qi Gong den Stimmklang positiv beeinflusst:

Das Instrument Stimme ist unser Körper. Ist dieser optimal ausgerichtet, befindet sich in Wohlspannung, ist durchlässig, im Körperschwerpunkt ruhend und präsent, kann sich die Stimme erst richtig entfalten.

In der Stehmeditation entspannen und lösen wir unseren Körper vom Scheitel, über Gesicht, Kiefer, Schultern, Hüften, Knie bis zu den Füßen. Wir richten den Körper zum physikalischen Schwerpunkt hin aus und verbinden ihn. Dadurch entsteht eine Kompaktheit, eine Stärkung der Körpermitte, die ein wesentlicher Stütz- und Haltepunkt beim Singen darstellt (Mingmen/Dantian = Kreuzpunkt/ Unterbauch als Halt und Stütze für den Atem und Aufbau von Spannungsbögen). Sind Kiefer und Schultern entspannt, kann der Kehlkopf frei hängen, die Zungenwurzel sich entspannen und der Kehlgrund sich weiten und öffnen. Ist der Brustbereich, frei, geöffnet und durchlässig, kann sich das Zwerchfell entspannen und dadurch der Atem frei fließen. Durch die natürliche Aufrichtung von Becken und Wirbelsäule entstehen Leichtigkeit, Durchlässigkeit und Feinschwingung im Klang. Es kommen mehr Obertöne hinzu, der Klang richtet sich auf, wird energiereich, rund und voll und findet automatisch den Weg in Brustbereich, Stirn und Scheitel. Sind die Leisten gelöst, hat dies positive Auswirkungen auf Zwerchfell, Atem und die Diaphragmenkette (Gaumen/Rachenwand, Zwerchfell, Beckenboden).

In den Übungen werden die Energien, die sich in der Stehmeditation angesammelt haben, nun durch den Körper geführt. Diese Aufmerksamkeitslenkung, die geistige Ausrichtung und Energieführung ist der Gesangskunst sehr ähnlich.

"Das Führen des Gedankens innerhalb dieses Kraftfeldes von der Stirn, über Brust und Leiste zum Kreuzpunkt und, denselben gewissermaßen umkreisend, zurück über Rücken und Kopf zum Stirnpunkt, heißt in der Fachsprache "den Bogen aufstellen" "

(Anneliese Riesch, Lebendige Stimme)

Die Energie, die beim Qi Gong im Körper in Bewegung gebracht wird, fließt über die Stimme in den Raum und kann die Brillianz in der Sängerstimme deutlich verstärken.

Wer regelmäßig Qi Gong übt, dessen Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien und Knochen werden gestärkt. Das Bindegewebe, welches beim Singen eine entscheidende Rolle spielt, verbessert sich und die Eigenschwingung des gelösten Gewebes beeinflusst Tonschwingung und Klang. Die für den Gesang nötige Muskulatur und Struktur werden aufgebaut, unnötige Spannungen fallen immer mehr weg und es entstehen Flexibilität und Wohlgefühl in Körper und Klang.

Hier zeigt sich nun, die gegenseitige Befruchtung und sich positiv ergänzende Wirkung der beiden Künste.